Häufige Fragen zur Rasse

Ich bekomme häufig per Mail die selben Fragend zum Fila de São Miguel, auch drehen sich viele Diskussionen immer wieder um ähnliche Themen. Ich versuche hier alles in Kurzform zu beantworten. Wenn ihr noch weitere Fragen habt, dürft ihr gerne im Kommentar oder per Kontaktformular nachfragen 🙂

Ist der Fila de Sao Miguel für Anfänger geeignet?

Ich halte grundsätzlich Abstand davon Menschen in „Anfänger“ und „Fortgeschrittene“ einzuordnen wenn es um die Hundehaltung geht. Jemand der 20 Jahre lang Jagdhunde gehalten hat, wird eventuell Probleme mit einem Border Collie haben. Ein anderer der schon 15 Schäferhunde hatte und ein Profi auf diesem Gebiet ist, wird bei einem Spitz an seine Grenzen stoßen.

Ein „Anfänger“ hat sogar vielleicht bessere Startplätze mit einer anspruchsvollen Hunderasse, weil er keine Erwartungshaltung an den Hund hat, die durch die jahrelange Erfahrung mit ganz anderen Hundetypen geprägt ist. Es ist einfach wichtig, dass man sich im Vorfeld genau über die Rasse informiert und auch die Schwierigkeiten und potenzielle Probleme durchdenkt, die sie mit sich bringen könnte. Außerdem informiere ich jedem, den Kontakt zu Fila-Besitzern aufzunehmen und sich einfach zu treffen. Im persönlichen Gespräch kann man viele Fragen beantworten und auch Einblicke in den Alltag geben. Grundsätzlich empfehle ich auch, dass man vor dem Hundekauf Rückendeckung durch einen kompetenten Hundetrainer oder Hundeverein bekommt. Als Anfänger macht man trotzdem Fehler und es ist ganz gut wenn man dabei nicht alleine ist.

Also, ob Anfänger oder nicht: die Triebe und der starke Charakter des Filas sind nicht zu unterschätzen.  

Cão de.. Agua? São Miguel? Castro Laboreiro?

Im Portugiesischen bedeutet Cão = Hund. So wie wir unsere Rassen „Schäferhund“, „Jagdhund“, „Dachshund“, usw. nennen, bezeichnet auch der Portugiese viele deiner Rassen mit „Cão de“ am Anfang.

Hier sind alle vom CPC (portugiesischer Kennelclub) betreuten Rassen:

Cão da Serra de Aires
Cão de Fila de São Miguel
Cão da Serra da Estrela
Cão de Castro Laboreiro
Rafeiro do Alentejo
Podengo Português
Perdigueiro Português
Cão de Água Português
Barbado da Terceira
Cão de Gado Transmontano

Ein kurze Recherche dieser tollen Rassen lohnt sich! Übrigens bedeutet „Rafeiro“ im portugiesischen Mischling oder Straßenhund 😉

Fila São Miguel vs. Fila Brasileiro

Der nächste Namensverwandte mit Verwechslungsgefahr ist der Fila Brasileiro. Eigentlich haben auch diese zwei Rassen herzlich wenig miteinander zu tun, außer dass sie irgendwann in der Geschichte einen gemeinsamen Vorfahr hatten: die iberische Dogge / der portugiesische Alão. Während der Eroberung der Neuen Welt waren die Azoren die letzte Etappe bevor man über den Atlantik übergesetzt hat (für die Spanier waren es die Kanaren). Auf jeder Station haben die Portugiesen ihre Spuren hinterlassen, so ließen sie ihre Doggen auf den Azoren und auch im späteren Brasilien, wo sie sich jeweils mit anderen Rassen mischten. Im Fall des Filas de São Miguel waren es Windhunde (Podencos) und lokale Hütehunde und sich mit der Dogge mischten, in Brasilien hat man den Bluthund mit dem Alão gekreuzt woraus der Fila Brasileiro entstammt. Jene Doggen sind übrigens auch die Urväter und Mütter zu anderen südamerikanischen Rassen, wie dem Cimarron Uruguayo.

Der Fila Sao Miguel ist ein Hütehund / Hirtenhund / Herdenschutzhund.

Man findet immer wieder Aussagen im Internet, dass der Fila ein Hütehund sei, oder aber ein Hirtenhund / Herdenschutzhund. Der Fila ist keines von den genannten, er ist ein Viehtreibhund. Für jeden, der sich noch nie mit diesem Schlag Hund befasst hat, mag diese klare Abtrennung kleinkariert wirken, in Wirklichkeit macht das aber einen meilenweiten Unterschied. 

Filas hüten tatsächlich nicht, sie treiben nur und unterstützen dabei den Menschen beim Umgang mit Rindern. Filas arbeiten NICHT wie Kelpies, Border Collies, Australian Shepherds oder anderen Schäferhunden, die in erster Linie für Schafe gezüchtet werden. Auch mit (Working) Kelpies kann man sie nicht vergleichen, die im australischen Outback aus großer Distanz Rinderherden zur Farm bringen. Filas sind tatsächlich reine Treibhunde, die von hinten das Vieh treiben, so wie es der Bauer mit einem Stock in der Hand tut. Das heisst, wenn der Mensch mit seiner Stimme, Stock oder Körperhaltung das Rind von A nach B treiben möchte, kommt der Fila ins Spiel und macht das für den Menschen. Dazu benutzen sie ihre reine Körperpräsenz, oder bei wehrhaften Rindern wird schonmal gebellt oder in die Hacken oder Nase gebissen. Vermutlich ist der Australian Cattle Dog, auch „Heeler“ genannt, dem Fila in seinem Treibverhalten von den bekannteren Rassen dabei noch am ähnlichsten. Von den unbekannten Rassen ist der Barbado de Terceira sein nächster Verwandter, ein langhaariger Kuhhund von der Nachbarinsel.

Filas sind aber auch keine Herdenschutzhunde, weil sie nicht wie Owtscharka, Kangal oder Kaukase zwischen der Herde leben und diese vor Wölfen oder Bären beschützen. Oft wird der Fila de Sao Miguel mit dem portugiesischen Hirtenhund Cão de Castro Laboreiro gleichgesetzt, obwohl auch diese nur gering miteinander verwandt sind und zufällig eben beide gestromt sind. Der Castro Laboreiro wird im Norden Portugals als Hirtenhund eingesetzt, insgesamt gibt es auf dem kontinentalen Portugal zahlreiche Hirtenhunde für das vergleichsweise kleine Land.

Gibt es reine Arbeitslinien?

Nein, beim Fila de Sao Miguel wird zum Glück noch nicht zwischen einer Show und einer Arbeitslinie unterschieden. Leider gibt es für die Zucht keine Arbeitsprüfungen, weshalb so manche Züchter tatsächlich mehr für Show als für alles andere Züchten. Aber im Gesamtvergleich zur Population hält sich das zum Glück noch im Rahmen. Es gibt aber leider auch keine Züchter, die aktiv ihre Filas and Rindern arbeiten und diese dann zur Zucht verwenden. Besser gesagt: es gibt sie schon, allerdings sind diese meist so kleine unbekannte Zuchten, dass es schon deutlich mehr Recherche benötigt. Optisch sieht der Fachmensch durchaus einen deutlichen Unterschied: Show-Hunde sind eher massig, haben große breite Köpfe mit weichen Konturen, die Hunde überschreiten mit dem Gewicht deutlich den oberen Standard. Während Arbeitshunde sehr viel unauffälliger und „umaufregender“ aussehen, eher kleiner und leichter sind mit mehr Luft unter dem Bauch, die Köpfe sind manchmal schmaler und der Fang länger, der Körperbau nicht so schwer und breit und die Gelenke sind trocken und betont. Der ein oder andere „gute“ Züchter arbeitet seine Hunde immer mehr im Hundesport und so lassen sich für einzelne größere Kennel durchaus typische Linien erkennen, was denke ich bei fast allen Rassen der Fall ist.

Mir sind Papiere egal, ich möchte unbedingt einen Welpen haben.

Papiere mögen für den normalen Hundehalter ziemlich nutzlos erscheinen, sie werden nach dem Erwerb des Hundes irgendwo abgeheftet und meistens nicht mal mehr angeschaut. Es ist aber dennoch sehr wichtig, dass man auf die Aushändigung oder auf das Ausstellen der Papiere Wert legt, das gilt übrigens für alle Rassen! Es hält sich hartnäckig der Irrglaube, dass Hunde ohne Papiere deutlich billiger sein, was einfach Unfug ist. Denn der Züchter muss ja den gesamten Wurf anmelden und registrieren, die Ausstellung der Papiere durch den Verband beträgt also gerade mal mehr ein paar wenige Euro. Kein normaler Züchter lässt nur den halben Wurf eintragen, sollte man auf so einen Züchter stoßen, dann besser Finger weg! Gerade in Portugal wird die Zucht vom Verband sogar subventioniert, dass heisst der Züchter muss (im Vergleich zu den krassen Kosten in Deutschland) quasi gar nichts für den Wurf bezahlen, auch in Frankreich halten sich die Kosten sehr in Grenzen. Die Papiere sind also kein Mehraufwand für den Züchter und wer darauf verzichtet, hat etwas zu verbergen.

Was sind die Vorteile an einem Welpen mit Papier? Jeder Verband hat gewisse Vorgaben an die sich die Züchter halten muss. Das variiert von Land zu Land sehr, in Deutschland sind diese Vorgaben bis zur Zuchtzulassung und Kennelregistrierung sehr aufwendiger und kostspieliger als in Frankreich oder gar Portugal. Der kleinste gemeinsame Nenner ist aber trotzdem überall gleich, z.B. dass Zuchthhunde ein gewisses Mindestalter haben müssen oder wenigstens mal dem Zuchtrichter vorgestellt werden sollten. Diese Mühe machen sich Vermehrer und „Hinterhofzüchter“ nämlich schonmal gar nicht.

Außerdem hat der Hundehalter (im Voraus) die Möglichkeit das Pedigree zu studieren und Eigenschaften der Ahnen in Erfahrung zu bringen. Für den Fila gibt es leider keine Datenbanken wie für andere Hunde, aber in den Pedigrees stehen zb. HD-Röngten-Ergebnisse oder in französischem Pedigree auch Eigenleistungen. Und in Zeiten des Internets lässt sich möglicherweise noch mehr Insider-Info rausfinden.

Der letzte und dennoch nicht unwichtige Punkt ist leider auch ein sehr trauriger: die aktuelle Rassenlisten-Politik verbietet die Einfuhr von sog. „gefährlichen“ Rassen. Die meisten Behörden kennen sich mit Hunden nicht aus und sehen nur gestromte Hunde mit breiten Köpfen und muskulösem Körperbau. Das Papier, ausgestellt durch einen anerkannten FCI Verband, könnte im Zweifel die einzige Möglichkeit sein eine Behörde bei Vorwürfen zu entwaffnen, und entscheidet in diesem Falle ob ihr friedlich mit eurem Hund weiterleben könnt oder nicht.

Außerdem: Wer recherchiert lange und nimmt die ganzen Mühen und Kosten eines Imports für einen Rassehund auf sich, um nachher nicht einmal das Papier auf der Hand zu haben das eurem Hund von einem „Mischling“ unterscheidet? Einen gewissen Stolz darf man doch wohl haben 😉

Ich habe einen gestromten mittelgroßen Hund aus dem Tierschutz. Ist das ein Fila?

Eine der häufigsten Fragen und Mails die mich erreichen handelt von Hunden aus dem Tierschutz und der Frage nach einer Identität. Es ist einfach anzunehmen, dass Hunde einer bestimmten Farbe, Größe und Fellstruktur direkt einer Rasse zugeordnet werden können. Aus diesem Grund gibt es ja auch den so häufigen berühmten „Labrador-Mischling“: mittelgroßer Hund, Schlappohren, normal lange und breite Schnauze, kurzes Fell, keine Übertypisierung.

So einfach ist es aber nicht, auch wenn der Labrador von allen modernen Hunderassen wahrscheinlich eine verdammt hohe Verbreitung hat. Und das ist auch schon eine der größten Bedingungen für einen Straßenhund: eine hohe Verbreitung der Rasse, dass diese potenziell zum Straßenhund werden kann. Der Fila genießt seine höchste Bevölkerungsdichte in Portugal und auf den Azoren, außerdem gibt es ein aktives Zuchgeschehen in Frankreich und Finnland. In anderen Ländern ist er nur vereinzelt oder gar nicht zu finden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass diese wenigen Hunde auf der Strasse für Nachwuchs sorgen oder für Hinterhofzuchten missbraucht werden, ist doch als sehr gering einzuschätzen. Selbst der berühmte „gerettete Spanier“ mit seinem gestromten Fell, geografisch zwischen zwei Zuchtgebieten, hat wahrscheinlich nichts vom Fila in sich. In Spanien gibt es so gut wie keine Exemplare dieser Rasse. Genauso verhält es sich mit Rumänien, Italien, Ungarn oder andere „Klassiker“ für Strassenhunde. Wenn man sich aber mal anschaut welche Rassen es auch mit gestromten Fell gibt, so wird man sehen dass es mit dem Akita Inu anfängt und mit dem Zwergdackel aufhört. 

Von den Azoren werden mittlerweile auch viele gestromte Hunde als X-Fila nach Deutschland importiert. Meiner Beobachtung nach sind die meisten davon eher Stafford- oder Jagdhunde-Mixe oder irgendwas anderes. Auf den Azoren gibt es so unglaubliche viele Rassen und es ist ein Irrtum zu glauben, dort gäbe es ausschließlich den Fila. Leider gibt es wie überall auch dort viele Menschen die sich über ihre Hunderasse profilieren wollen, so werden viele Hunde mit Bully-Typen gekreuzt. Auch an den Ohren und Rute kupierte Hunde sind kein Zeichen für eine eindeutige Rassezugehörigkeit, denn man kupiert dort „alles damit es nach etwas aussieht“. Leider!

„Was macht euch so sicher, dass eure [Tierschutz]-Hunde wirklich Filas und keine Bardinos sind? Vom Aussehen sind die Rassen ja nicht gleich zu unterscheiden. Mein Hund kam als Bardino zu mir, hat aber ein ganz anderes Verhalten als mein ehemaliger Bardino; sie kommt aus Kroatien, also weder das Ursprungsland des Fila noch des Bardino. Aber danach kann man ja auch nicht mehr gehen, der deutsche Schäfi ist mittlerweile auch weltweit vertreten.“

Man kann den Fila und auch den Bardino ganz bestimmt nicht mit dem Schäferhund vergleichen, denn letzterer ist seit über 100 Jahren eine der beliebtesten Hunderassen auf der ganzen Welt und wird von China bis Südchile überall gezüchtet. Den Fila gibt es namentlich erst seit den 1980er als „Rasse“ und findet erst in den letzten 20 Jahren etwas mehr Verbreitung außerhalb Portugals bzw. den Azoren. Der Bardino hingegen ist noch nicht einmal eine international anerkannte Hunderasse, weshalb es auch schwer ist reinrassige Hunde zu finden, weil diese ja kaum so gezüchtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Hunde nach z.b. Kroatien exportiert werden und dort unkontrolliert auf der Straße oder im Hinterhof für Nachwuchs sorgen, ist absolut unwahrscheinlich. Es sind halt meistens einfach mittelgroße, gestromte Hunde mit kurzem Fell.

Wenn man sich noch ein bisschen weiter umschaut, dann findet man zb den Dogo Sardo, den spanischen Alano mit all seinen Schlägen, Castro Laboreiro, usw. Wie der Bardino und der Fila haben alle ein ähnliches Aussehen: molossoide Herkunft, gestromt, Arbeit an Rindern, Insel oder geografisch eingeschränktes Gebiet. Ist es denn so verwunderlich, dass die Menschheit einen Typ Arbeitshund für die Rinderarbeit an mehreren Stellen in Europa verwendet? Nein, ist es nicht, es ist einfach das Ergebnis unserer Kulturgeschichte und Tradition. Während die Portugiesen die Azoren als Zwischenstopp vor der Atlantiküberquerung nutzen um nach Südamerika zu kommen, nutzten die Spanier die Kanarischen Inseln. Alle hinterließen vor Ort Spuren, in diesem Fall auch Hunde. Diese Hunde waren zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte aber noch keine Rassen wie wir sie heute kennen, so sprach man im iberischen Raum vom Alano/Alão was nichts anderes war, als ein Vorläufer unserer heutigen Doggen. Dieses Schema findet man auch bei Pferderassen usw. einfach mal ein bisschen die Geschichtsbücher aufschlagen, dann sieht man die Zusammenhänge sehr schnell 🙂

Kurz gefasst: es gibt hunderte Rassetypen die sich irgendwie ähnlich sehen, weil sie irgendwann eine ähnliche Funktion in der Geschichte hatten oder ggf. die selben Urväter. Total viele dieser Rassen und Typen sind nicht durch eine angezüchtete Übertypisierung zu erkennen, wie eine super kurze Schnauze, super spitze Schnauze, super langes Fell, super viele Falten, super groß oder super klein, super massiv oder super fein, super schwarz oder super bunt …. sondern es sind ganz normale Hunde, dessen Aussehen sich meist noch von der Funktionalität ihres Jobs ableitet und nicht irgendwelchen verrückten und überinterpretierten Schönheitsidealen. Man erwartet von Rassehunden heute starke Unterscheidungsmerkmale zueinander, dabei wäre der Übergang ja eigentlich sehr fließend.

Noch dazu kommt der leidige Trend, dass es überall Idioten gibt die sich „Bandogs“ züchten wollen und somit alle „krassen“ Rassen miteinander kreuzen, damit sie noch „krasser“ werden. Wer schon so wenig Respekt vor einem Individuum hat, von dem kann man nicht erwarten dass er all seine „Produkte“ liebevoll aufzieht und vermittelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein in Not geratener oder misshandelter Hund von so einem Typen kommen, ist leider sehr sehr hoch! Erst rechte jene Hunde, die kupierte Ohren oder Ruten haben. Dass deine Hunde, selbst wenn sie der selben Rasse angehören, unterschiedliche Charaktere aufweisen, ist nun wirklich nicht ungewöhnlich. Wir Menschen sind ja auch alle von der selben „Rasse“ und sind dabei total unterschiedlich, warum sollten Hunde nicht auch individuell sein?